A Einstieg in das V-Modell XT

A.3 V-Modell XT im Überblick

Das V-Modell XT ist ein produktzentriertes Vorgehensmodell, d.h. die Projektergebnisse stehen im Mittelpunkt. Es definiert Struktur und Inhalte dieser Ergebnisse und beschreibt, wie die einzelnen Ergebnisse aufeinander aufbauen und voneinander abhängen. Das V-Modell XT definiert darüber hinaus Rollen und ihre Verantwortung und Mitwirkung bei der Erstellung der Projektergebnisse. Das V-Modell XT gibt eine Reihe von Entscheidungspunkten vor, denen Projektergebnisse zugeordnet sind. Es fordert an diesen Entscheidungspunkten eine Fortschrittskontrolle und eine explizite Entscheidung über den weiteren Projektverlauf.

Inhaltliche Grundlage und Namensgeber des V-Modell XT ist das V-förmige Vorgehen bei der Entwicklung von Software und Systemen, das Barry Boehm erstmals Ende der 1970er Jahre beschrieben hat und das seither Grundlage für unzählige Entwicklungsprojekte war. Kernidee ist die Spezifikation und Zerlegung des zu entwickelnden Systems auf dem absteigenden Ast des „Vs“. Jedem solchen Dekompositionsschritt ist ein entsprechender Integrations- und Prüfschritt auf dem aufsteigenden Ast zugeordnet. Das V-Modell XT bietet abhängig von den Randbedingungen eines Projekts eine Reihe von Variationsmöglichkeiten bei der konkreten Ausgestaltung dieses Vorgehens.

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Abbildung 1: V-Modell XT im Überblick

Das Entwicklungsvorgehen ist eingebettet in ein Managementmodell. Es beschreibt, wie ein Entwicklungsprojekt gestartet, durchgeführt und beendet wird und definiert die Grundlagen für Projektmanagement, Qualitätssicherung, Problem- und Änderungsmanagement sowie Konfigurationsmanagement im Projekt. Dabei fördert und fordert das V-Modell XT ein iteratives Vorgehen, bei dem der Entwicklungszyklus nicht nur einmal, sondern mehrmals durchlaufen wird. Ein solches Vorgehen trägt erwiesenermaßen dazu bei, technische Risiken frühzeitig zu erkennen und die Anwenderzufriedenheit durch zeitnahes Feedback zu verbessern.

Die Systementwicklung ist meist in zwei getrennte Projekte aufgeteilt, eines auf Auftraggeber- und eines auf Auftragnehmerseite. Beide Partner arbeiten während der gesamten Entwicklung eng zusammen. Der Auftraggeber ist für die Anforderungsfestlegung zuständig. Der Auftragnehmer übernimmt die Entwicklung im „Sockel des Vs“. Das Zusammenspiel zwischen beiden Projekten ist im V-Modell XT durch eine AG/AN-Schnittstelle fest vorgegeben. Das V-Modell XT ist damit ein umfassendes Vorgehensmodell, das für Auftraggeber-, für Auftragnehmer- aber auch für Projekte ohne Trennung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (Eigenentwicklungen) geeignet ist. Am Anfang einer Systementwicklung muss es auf die konkrete Projektsituation angepasst und zurechtgeschnitten werden. Dieser Vorgang wird als Tailoring bezeichnet. Beim Tailoring werden die V-Modell-XT-Anwender durch ein Werkzeug – den Projektassistenten – unterstützt, der ein projektspezifisches Vorgehensmodell generiert, Vorlagen für die erwarteten Ergebnisse bereitstellt und den Projektleiter bei der initialen Ausarbeitung eines Projektplans unterstützt.