Umfang

Das V-Modell ist ein international anerkannter Entwicklungsstandard für IT-Systeme, der einheitlich und verbindlich festlegt, was zu tun ist, wie die Aufgaben durchzuführen sind und womit dies zu geschehen hat.

Es umfaßt

  • das Vorgehensmodell,
  • die Methodenzuordnung und
  • die Funktionalen Werkzeuganforderungen.

Damit ist klar umrissen, in welchen Schritten und mit welchen Methoden die Entwicklungsarbeiten auszuführen sind und welche funktionalen Eigenschaften die zum Einsatz kommenden Werkzeuge aufweisen müssen.

Gliederung

Das Vorgehensmodell gliedert sich in drei Teile:

  • Teil 1: Regelungsteil
    Dieser Teil enthält die verbindlichen Regelungen für die durchzuführenden Arbeitsschritte (Aktivitäten)und Ergebnisse (Produkte)

  • Teil 2: Behördenspezifische Ergänzungen
    Dieser Teil existiert einmal für den Bereich der Bundeswehr und einmal für den Bereich der zivilen Bundesverwaltung. Er enthält Angaben zur Anwendung des Vorgehensmodells im jeweiligen Bereich

  • Teil 3: Handbuchsammlung
    Dieser Teil enthält eine Reihe von Handbüchern zu speziellen Themen wie IT-Sicherheit oder den Einsatz objektorientierter Sprachen.

Verwendungsarten

Das V-Modell wurde unter mehreren Anwendungsaspekten entwickelt. Einsatzschwerpunkte sind:

  • Vertragsgrundlage
    Hierbei definiert es eindeutig den Erstellungsprozeß und den Lieferumfang der Hardware und Software bzw. die Vollständigkeit der Dokumentation.

  • Arbeitsanleitung
    Durch die detaillierten Beschreibungen der Aktivitäten und der Entwicklungsdokumente dient das V-Modell bei der Systementwicklung als Leitfaden und konkrete Arbeitsanleitung.

  • Kommunikationsbasis
    Durch die Beschreibung der Vorgehensweise, der Entwicklungsdokumente und die Bereitstellung eines Glossars dient es als Basis wechselseitigen Verständnisses und reduziert  Reibungsverluste zwischen Auftraggeber, Nutzer, Auftragnehmer und Entwickler.


Entwicklung und Fortschreibung des V-Modells

Das V-Modell wurde ursprünglich im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung (BMVg) und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz von der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) in Ottobrunn bei München erstellt. Im Sommer 1992 wurde es vom Bundesministerium des Innern (BMI) für den Bereich der Bundesverwaltung übernommen und ist seit Juni 1996 auch dort eine verbindlich einzusetzende Vorschrift.

Das V-Modell ist ein lebendiger Standard, dessen Weiterentwicklung durch das BMVg und das BMI betrieben und finanziert wird. Wichtigste Vorgaben für die Überarbeitung und Fortschreibung der Version ´97 waren:

  • Ganzheitlicher Ansatz durch Schaffung eines Systementwicklungsstandards mit Regelung der Software- und Hardwareentwicklung als Bestandteil der Systementwicklung.
  • Änderung der Anforderungsdokumente in Anwenderforderungen und technische Anforderungen.
  • Volumenreduzierung des Regelungsteils und Aufteilung in eine erläuternde Handbuchsammlung.
  • Bessere Unterstützung der neuen Technologien, wie inkrementelle Systementwicklung und objektorientierte Vorgehensweisen.
  • Einsatz von Standard-Software.
  • Verbesserung des Submodells Projektmanagement.
  • Anpassung an die Terminologie von ISO 8402.