6 Teil 6: V-Modell-Referenz Aktivitäten
6.3 Aktivitäten
6.3.7 Anforderungen und Analysen
6.3.7.5 Anwenderaufgaben analysieren
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Sinn und Zweck
Im Rahmen der »Anwenderaufgabenanalyse sind die Aufgaben der Anwender zu beschreiben, die das neue System zukünftig unterstützt. Dabei sind Anwenderprofile zu erstellen und die physische Benutzungsumgebung ist zu beschreiben.
6.3.7.5.1 Anwenderprofile erstellen
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Bei der Erstellung der Anwenderprofilanalyse sind die Eigenschaften der späteren Anwender des Systems zu erfassen und festzuhalten. Abhängig von diesen Analyseergebnissen sind softwareergonomische Gütekriterien zu formulieren und für jede Eigenschaft der Anwender zu gewichten. Aus den gewichteten Gütekriterien lässt sich die Benutzungsfreundlichkeit für die jeweiligen Eigenschaften optimieren.
Zur Ermittlung der Anwendereigenschaften kann beispielsweise überprüft werden,
- ob es sich bei dem zu entwickelnden System bezüglich der notwendigen Fachkenntnisse um einen Laien- oder einen Expertenarbeitsplatz handelt,
- ob die Anwender erfahrene oder unerfahrene Computerbenutzer sind und
- ob sie ständig, das heißt mehrere Stunden täglich, oder nur sporadisch, also einmal wöchentlich, am System arbeiten.
Wurden Änderungen aufgrund eines Workflow Reengineerings erforderlich, die zu einer neuen Aufgabendefinition und einem neuen Arbeitsfluss führen, ist eine intensive Einführung der beteiligten Anwender in die neuen Betriebsabläufe durchzuführen. Dabei sollte Benutzer-Feedback erfasst und in die Gestaltung der Benutzerschnittstelle mit eingebracht werden.
6.3.7.5.2 Physikalische Umgebungsbedingungen analysieren
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Eine Analyse der physikalischen Arbeitsumgebung des Dialogsystems und des daran arbeitenden Benutzers ist durchzuführen.
Die Gestaltung des Dialogsystems aus Umgebungssicht kann zum Beispiel beeinflusst werden durch den Standort des Systems - Büro, Halle, öffentlicher Platz - die Einflüsse durch Lärm/Geräusche, Licht, Schmutz, Klima und Schwingungen sowie sonstige Störungen von außen, wie Gefahr von Vandalismus bei Automaten.
So wird beispielsweise ein Informationsterminal für Touristen an einem öffentlichen Platz aufgrund der Umgebungsbedingungen anders gestaltet als ein Arbeiterplatz in einem Reisebüro. Im Falle der Gefahr des Vandalismus beim Terminal ist es sinnvoll, dieses mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm wie einem Touch Screen anstelle einer Maus auszustatten, während der Arbeitsplatz im Reisebüro durchaus mit Maus und Tastatur versehen werden kann.
6.3.7.5.3 Anwenderaufgaben erfassen
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Der Ergonomieverantwortliche sollte von Beginn ab an der Gesamtsystemanalyse beteiligt werden, damit die Interaktionen des Benutzers mit dem Dialogsystem sinnvoll gestaltet werden können.
Zunächst sind die Wünsche und Ideen der Benutzer zu ermitteln und die Systemfunktionalität sollte grafisch visualisiert werden.
Aus den Geschäfts- und Einsatzzielen des zu entwickelnden Systems sind grundlegende Gestaltungsziele in Bezug auf die Aufgabenangemessenheit und Handhabbarkeit der neuen Benutzungsschnittstellen abzuleiten. Geschäfts- und Einsatzziele werden meist vom oberen Management auf Seiten des Auftraggebers vorgegeben und sind in diesem Fall als Vorgabe zu übernehmen. In diesem Zusammenhang wäre vorstellbar, dass ein Unternehmen plant, den Internetverkauf der »Produkte zu ermöglichen. Dabei könnte die Vorgabe lauten, dass bei der Gestaltung des Internetauftritts ein "digitaler Verkäufer" realisiert werden soll, der möglichst große Ähnlichkeit zu einem realen Verkäufer besitzt.
Sind die Wünsche und Ideen der Benutzer bekannt, sind die groben Funktionalitäten und Abläufe zu beschreiben. Dabei sollte auf grafische oder einfache textbasierte Sprachen beziehungsweise Notationen zurückgegriffen werden. Diese sollten allen Beteiligten möglichst ohne großen Einarbeitungsaufwand verständlich sein. Die Funktionsweise des Gesamtsystems kann beispielsweise auf der Basis von Anwendungsfällen dokumentiert werden und die zentralen Betriebsabläufe in Form einfacher Ablaufdiagramme modelliert und dargestellt werden. Durch Markierung aller Stellen in den Systembeschreibungen, an denen der Benutzer mit dem System interagiert, können die Dialoge und Aufgaben, die das System unterstützen soll, abgeleitet werden.
Zur Verfeinerung sind Kontextfragen zu entwickeln. Für jeden vorher im Analyseprozess identifizierten Dialog oder jede Aufgabe sind gemeinsam mit den Benutzern die jeweils definierten Kontextfragen vollständig zu beantworten und schriftlich zu dokumentieren. Folgende Fragen sollten beispielsweise gestellt werden:
- Wann wird die Aufgabe durchgeführt (Auslöser, Vorbedingung)?
- Von Wem wird die Aufgabe durchgeführt?
- Warum wird die Aufgabe durchgeführt (Handlungsziel, Nachbedingung)?
- Wie oft wird die Aufgabe durchgeführt?
- Was ist bei der Durchführung im Einzelnen zu tun?
- Welche zusätzlichen Mittel werden benötigt?
- Welche Ausnahmefälle/Sonderfälle zur normalen Vorgehensweise gibt es?
- Wie sehen erste Gestaltungsideen aus?
- Welche Wünsche/Anregungen sind aus Sicht der Benutzer bei der Dialoggestaltung zu berücksichtigen?
Die Beschreibung aller Dialoge und Aufgaben im Detail ist die entscheidende Basis für den Entwurf und die Realisierung der Benutzungsoberflächen. Die Dialoge sollten zuvor strukturiert und in Gruppen zusammengehöriger Interaktionen zusammengefasst werden. Somit lassen sich Dialoge hierarchisch aufbereiten.