1 Teil 1: Grundlagen des V-Modells
1.5 Inhaltliche Projektdurchführung im V-Modell
1.5.1 Auftraggeber-/Auftragnehmer-Schnittstelle
Nach dem V-Modell ist es möglich, im Rahmen der Systementwicklung zwei getrennte V-Modell-Projekte durchzuführen: »Systementwicklungsprojekt (AG) und »Systementwicklungsprojekt (AN). Für diese unterschiedlichen Projekttypen stellt das V-Modell jeweils eine speziell angepasste Projektdurchführungsstrategie zur Verfügung (siehe Abschnitt »Projektdurchführungsstrategie). Abbildung 15 zeigt zwei unterschiedliche »Projektdurchführungsstrategien und die Abfolge der zugehörigen »Entscheidungspunkte anhand eines Beispiels.
Das V-Modell beschreibt dabei explizit die »Schnittstelle zwischen V-Modell-Projekten des »Auftraggebers und des »Auftragnehmers. Ein »Schnittstellenprodukt, das außerhalb des eigentlich betrachteten »V-Modell-Projektes entsteht, wird im V-Modell als »externes Produkt bezeichnet. Abbildung 15 zeigt die Schnittstellenprodukte, die zwischen dem V-Modell-Projekt des Auftraggebers und dem des Auftragnehmers ausgetauscht werden.
Das V-Modell-Projekt des Auftraggebers erarbeitet eine »Ausschreibung. Diese Ausschreibung enthält die zuvor erstellten »Anforderungen (Lastenheft) und macht zudem Vorgaben für das »Projekthandbuch und das »QS-Handbuch des Auftragnehmers. Auf der Basis der Ausschreibung erstellt das V-Modell-Projekt des potenziellen Auftragnehmers ein »Angebot. Dieses Angebot enthält bereits die angebots- und vertragsrelevanten Teile des »Projekthandbuches sowie des »QS-Handbuches des potenziellen Auftragnehmers. Stimmt der Auftraggeber dem Angebot zu, wird zwischen den Vertragspartnern ein »Vertrag geschlossen. Dieser kann im Verlauf des Projektes um Vertragszusätze ergänzt werden.
Durch die »Projektstatusberichte wird der Auftraggeber über Projektfortschritt, Projektplanung, Projektsteuerungsmaßnahmen, Qualitätssicherung und Problem- und Änderungslisten informiert. Zur direkten Abstimmung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer sollte der Auftraggeber zusätzlich sowohl im »Lenkungsausschuss als auch in der »Änderungssteuerungsgruppe (Change Control Board) entsprechend vertreten sein.
Das V-Modell-Projekt des Auftragnehmers übermittelt Zwischen- und Endprodukte in Form von »Lieferungen an den Auftraggeber. Über die »Abnahmeerklärung gibt das V-Modell-Projekt des Auftraggebers daraufhin entsprechende Rückmeldungen zu diesen erbrachten Zwischen- und Endlieferungen. Wichtig ist, dass Abnahmen nur im »Entscheidungspunkt »Abnahme erfolgt ausgesprochen werden. Das bedeutet, dass eine alleinige Abnahme von Entwurfsdokumenten nicht zulässig ist, da der »Anwender, vertreten durch den »Auftraggeber, im Allgemeinen nur anhand der gelieferten Software bzw. Hardware entscheiden kann, ob das umgesetzt wurde, was ursprünglich beabsichtigt war.
Ein Auftragnehmer kann selbst als Auftraggeber gegenüber einem »Unterauftragnehmer auftreten. Dabei werden auch die Projekte des »Unterauftraggebers und des »Unterauftragnehmers gemäß dem V-Modell abgewickelt und durch die oben beschriebene »Auftraggeber-/Auftragnehmer-Schnittstelle miteinander verbunden.
Abbildung 15: Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
Ab einer gewissen Größe des Systementwicklungsprojektes des Auftraggebers muss das Projekt in entsprechende Teilprojekte unterteilt werden. Selbst wenn diese Projekte innerhalb eines Unternehmens durchgeführt werden, sollte diese Aufteilung ebenfalls entsprechend der beschriebenen Auftraggeber-/Auftragnehmer-Schnittstelle abgewickelt werden. Nur so ist es möglich, die notwendige Koordination und Abstimmung zwischen den Projekten angemessen zu kontrollieren und gegebenenfalls steuernd einzugreifen.