1 Teil 1: Grundlagen des V-Modells
1.4 Managementmechanismen des V-Modells
1.4.5 Qualitätssicherung und Produktzustandsmodell
Die Qualität des Projektergebnisses ist sowohl konstruktiv als auch analytisch in der Entwicklung sicher zu stellen. Es ist essentiell, die analytische Qualitätssicherung parallel zum und unabhängig vom konstruktiven Entstehungsprozess durchzuführen. Für die Durchführung der Qualitätssicherung im Projekt ist eine einheitliche und abgestimmte Vorgehensweise, die von allen Projektbeteiligten verstanden, getragen und gelebt wird, notwendig.
Das V-Modell enthält formale und inhaltliche Vorgaben an die Produkte, die im Laufe eines V-Modell-Projektes erstellt werden. In der »V-Modell-Referenz Produkte werden diese Vorgaben für jedes Produkt beschrieben. Darüber hinaus legen die so genannten »Produktabhängigkeiten zusätzlich Regeln für die produktübergreifende inhaltliche Konsistenz fest. Dabei werden im V-Modell vier Arten von Produktabhängigkeiten unterschieden: »inhaltliche Produktabhängigkeiten, »erzeugende Produktabhängigkeiten, »strukturelle Produktabhängigkeiten und »Tailoring-Produktabhängigkeiten (siehe »V-Modell-Referenz Tailoring und »V-Modell-Referenz Produkte).
Jedes »Produkt besitzt einen »Produktzustand. Mögliche Produktzustände sind »in Bearbeitung, »vorgelegt und »fertig gestellt, wie in Abbildung 12 dargestellt ist. Der Zustand eines »Produktes wird spätestens mit der erfolgreichen Beendigung der bearbeitenden »Aktivität neu ermittelt.
Abbildung 12: Produktzustandsmodell
Um eine »Aktivität erfolgreich zu beenden, muss das erzeugte »Produkt entsprechend geprüft werden. Der Ablauf einer Prüfung ist in Abbildung 13 dargestellt. Bei jeder Prüfung durch eine eigenständige Qualitätssicherung oder in Form einer Eigenprüfung wird dabei das »Produkt formal und inhaltlich entsprechend der V-Modell-Vorgaben überprüft. Darüber hinaus erfolgt im Rahmen der Prüfung die Überprüfung der inhaltlichen Konsistenz mit anderen Produkten. Hierbei wird jede »relevante Produktabhängigkeit überprüft. Dabei sind »relevante Produktabhängigkeiten alle »Produktabhängigkeiten zwischen dem zu überprüfenden »Produkt und den Produkten, die bereits im Zustand »fertig gestellt sind.
Abbildung 13: Vorgehensweise bei Prüfungen
Wie Abbildung 12 zeigt, erfolgt zuerst immer eine Eigenprüfung. Im Rahmen einer Eigenprüfung wird, wie oben beschrieben, das »Produkt selbst und seine inhaltliche Konsistenz zu bereits »fertig gestellten Produkten überprüft. Allerdings muss Umfang und Ergebnis der Eigenprüfung nicht zwingend entsprechend dem V-Modell dokumentiert werden.
Darüber hinaus wird im »QS-Handbuch und in den zugehörigen Produkten vom Typ »Implementierungs-, Integrations- und Prüfkonzept System im Vorfeld festgelegt, ob eine zusätzliche Prüfung durch eine eigenständige Qualitätssicherung durchgeführt werden muss. Im Rahmen einer eigenständigen Qualitätssicherung wird, wie oben dargestellt, sowohl das »Produkt selbst, als auch seine inhaltliche Konsistenz zu bereits fertig gestellten Produkten überprüft. Im Gegensatz zur Eigenprüfung werden aber entsprechende Produkte vom Typ »Prüfspezifikation Systemelement und »Prüfprotokoll Systemelement zur Vorbereitung und Dokumentation der durchgeführten Prüfungen erstellt.
Ist eine eigenständige Qualitätssicherung notwendig, so wechselt das Produkt zuerst in den Zustand »vorgelegt und nach der erfolgreichen Prüfung in den Zustand »fertig gestellt. Andernfalls geht das Produkt sofort nach der erfolgreichen Eigenprüfung in den Zustand »fertig gestellt über.
Ist eine Prüfung nicht erfolgreich, so muss das »Produkt entsprechend überarbeitet und erneut qualitätsgesichert werden. Sind dabei »relevante Produktabhängigkeiten verletzt, so sind die Produktverantwortlichen der beteiligten »Produkte für die Beseitigung der Inkonsistenz verantwortlich. Dies kann auch dazu führen, dass die verantwortlichen »Rollen (»Verantwortlicher) entscheiden, dass ein bereits »fertig gestelltes »Produkt wieder in den Zustand »in Bearbeitung gesetzt wird, um die notwendigen Korrekturen durchzuführen.
Wie Abbildung 12 zu entnehmen ist, kann ein Produkt, das im Zustand »fertig gestellt ist, auch durch andere Ereignisse, die nicht durch die Qualitätssicherung hervorgerufen wurden, wieder in den Zustand »in Bearbeitung übergehen. So werden »Produkte beispielsweise durch im Rahmen des Änderungsmanagements beschlossene durchzuführende Änderungen oder erneute Bearbeitung von »Produkten in nachfolgenden Fertigstellungsstufen des Projektes überarbeitet und damit in den Zustand »in Bearbeitung versetzt.
Durch dieses Verfahren ist aber stets gewährleistet, dass alle Produkte im Zustand »fertig gestellt nicht nur für sich gesehen korrekt sind, sondern auch produktübergreifend inhaltlich konsistent und damit in ihrer Gesamtheit korrekt sind. Dabei ist es irrelevant, in welcher Reihenfolge die einzelnen »Produkte »fertig gestellt wurden.