1 Teil 1: Grundlagen des V-Modells

1.4 Managementmechanismen des V-Modells

1.4.1 Projektspezifische Anpassung - Tailoring

Das V-Modell ist ein generischer Vorgehensstandard für Projekte, der in möglichst vielen, verschiedenen Projektkonstellationen anwendbar sein soll. Daher ist es notwendig, dass das V-Modell an die konkreten Projektbedingungen angepasst werden kann. Diese Anpassung, »Tailoring genannt, ist eine der ersten und kritischsten Tätigkeiten des V-Modell-Anwenders. Unter »Tailoring wird im V-Modell die Festlegung des »Projekttyps sowie die Auswahl einer möglichen »Projekttypvariante und damit der anzuwendenden Vorgehensbausteine verstanden. Die detailliertere Anpassung des V-Modells auf Ebene der zu erstellenden Produktexemplare und durchzuführenden Aktivitätsexemplare erfolgt im Rahmen der Projektplanung entsprechend den Vorgaben der erzeugenden Produktabhängigkeiten (siehe auch Abschnitt »Projektplanung).

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Abbildung 9: Tailoring des V-Modells mit dem V-Modell Projektassistenten

Statisches Tailoring

Wie in Abbildung 9 dargestellt ist, wird zunächst das Projekt anhand des Projekttyps und der Projekttypvariante charakterisiert. Das Ergebnis dieser Charakterisierung ist der Rahmen für das »Anwendungsprofil. Dadurch bestimmen sich die »Projektmerkmale, die das Projekt näher charakterisieren. Beim Tailoring bestimmt der »V-Modell-Anwender für jedes Projektmerkmal einen Wert, der das Projekt genauer umgrenzt. Das vollständige Anwendungsprofil legt die Auswahl der zu verwendenden »Vorgehensbausteine und die »Projektdurchführungsstrategie fest.

Abbildung 9 zeigt als Beispiel das Tailoring-Ergebnis eines denkbaren »V-Modell-Projektes aufseiten des Auftraggebers unter Zuhilfenahme des V-Modell Projektassistenten. Der V-Modell Projektassistent ist ein Softwarewerkzeug, mit dessen Hilfe das Tailoring werkzeuggestützt durchgeführt werden kann. Durch die Charakterisierung des Projektes wurde der Projekttyp »Systementwicklungsprojekt (AG) und anschließend die zugehörige Projekttypvariante »AG-Projekt mit mehreren Auftragnehmern ausgewählt. Aus dieser Auswahl ergibt sich die Menge der zu verwendenden Vorgehensbaustein und die Projektmerkmale, über die im weiteren Verlauf des Tailorings entschieden werden muss.

Die endgültige Festlegung des Projekttyps sowie die zugehörige Auswahl der Vorgehensbausteine und der Projektdurchführungsstrategie werden im »Projekthandbuch dokumentiert. Dabei ist das erstellte Anwendungsprofil nachvollziehbar zu begründen, ebenso wie die Auswahl von Projekttyp und Projekttypvariante und die Verwendung zusätzlicher Vorgehensbausteine.

Durch diesen einfachen, aber effektiven Tailoring-Mechanismus werden alle für ein Projekt nicht notwendigen Teile des V-Modells ausgeblendet. Der V-Modell-Anwender muss sich also nur mit den für sein Projekt relevanten Vorgehensbausteinen und der ermittelten Projektdurchführungsstrategie auseinander setzen.

Dynamisches Tailoring

Zusätzlich können während der Projektlaufzeit weitere Vorgehensbausteine ausgewählt beziehungsweise entfernt werden. Ausnahme hierbei sind die in jedem Projekt verpflichtend zu verwendenden Vorgehensbausteine des »V-Modell-Kerns. Die Regeln für »dynamisches Tailoring sind ebenfalls bereits im V-Modell durch speziell ausgezeichnete »Produktabhängigkeiten definiert, die als »Tailoring-Produktabhängigkeit bezeichnet werden (siehe »V-Modell-Referenz Tailoring). Zum Beispiel definiert eine dieser Tailoring-Produktabhängigkeiten die folgende Regel:

Wurde im Produkt »Systemarchitektur mindestens eine »HW-Einheit identifiziert, so muss im »Projekthandbuch der Vorgehensbaustein »HW-Entwicklung ausgewählt werden.

Angenommen, in einem Projekt wurde der Vorgehensbaustein »HW-Entwicklung nicht ausgewählt, beim Entwurf der »Systemarchitektur werden aber »HW-Einheiten identifiziert. In diesem Fall fordert die vorgestellte Tailoring-Produktabhängigkeit, dass der Vorgehensbaustein »HW-Entwicklung auch gewählt werden muss. Dementsprechend muss natürlich die Dokumentation des Tailorings im »Projekthandbuch angepasst werden.

Diese Art des dynamischen Tailorings während der Projektlaufzeit bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Dabei stellt der V-Modell-Kern ein Grundpensum an Qualität sicher, das in jedem V-Modell-konformen Projekt gewährleistet ist.

Teile des »Projekthandbuches können als Vertragsgegenstand vereinbart werden. Diese Festlegung erfolgt für öffentliche Auftraggeber bereits im Rahmen der »Ausschreibung. Wurde im Projekt das Tailoring-Ergebnis als vertragsrelevanter Teil des »Projekthandbuches vereinbart, so ist das Tailoring und insbesondere auch das dynamische Tailoring transparent für alle Projektbeteiligten.